Albanien - Teil 2

Von Elbasan weiter an den Ohridsee. Auch hier finden wir ein nettes, ruhiges Platzerl direkt am Wasser. Leider spielt das Wetter nicht ganz mit aber eigentlich macht uns das gar nicht so viel aus. Endlich mal ein bisserl faulenzen, Schach spielen, lesen ...

Am nächsten Tag holen wir uns im Fischerdorf Lin frisches Brot und nach dem Frühstück geniessen wir die Aussicht von einem Hügel mit Basilikaruine (Bodenmosaike teilweise freigelegt) über den Ohridsee zu den nahen Bergen jenseits der albanisch-griechischen Grenze.

Ein paar Impressionen vom Ohridsee bzw. aus Lin:

Albanien - Teil 1

Die Einreiseformalitäten sind in weniger als 5 Minuten erledigt, ein freundlicher Zöllner warnt uns noch, nicht alles zu glauben was uns die Leute im Land so erzählen. Keine Sorge – wir sind eh nicht auf der Brennsuppn daherg'schwommen! 

Auf den ersten Metern in Albanien fällt sofort auf: Die Strassen sind auch auf der albanischen Seite der Grenze hervorragend in Schuss, keine Rede von Müll etc. in den Strassengräben. Alles recht sauber, gepflegt und überall wird gebaut auf Teufel komm raus: Kreisverkehre, Tankstellen, Einfamilienhäuser, Restaurants, Hotels. Und alle paar Meter gibt’s ein Schild „Lavazh“ (Autowäsche). 

Als ersten Stop haben wir den grössten Binnensee des Balkans im Auge, den Shkodrasee. Dieser ist so gross wie der Bodensee. Nach einem leckeren Fisch-Abendessen auf einer herrlichen Aussichtsterrasse (im Vordergrund der See, dahinter die schneebedeckten Berge der Albanischen Alpen) erwartet uns ein ordentliches nächtliches Gewitter samt wolkenbruchartigem Regen. 
   

Am nächsten Tag wollen wir einen ersten Eindruck einer albanischen Stadt bekommen und sind wieder mal überrascht: Shkoder präsentiert sich als sauber herausgeputzes Städtchen samt Fussgängerzone mit gemütlichen Cafes, Eissalons, Livemusik und vielen gutangezogenen jungen Menschen.

Zugegeben - in den Vororten und am Land mag es ein wenig ärmlicher zugehen, aber ausser in einer kleinen Romasiedlung wo’s wirklich schlimm aussieht macht Albanien einen echt guten Eindruck – es ist mindestens so sauber wie etwa in Kroatien oder Bosnien. Das Preisniveau liegt ein klein wenig über dem von Montenegro, immer noch aber weiiiit unter mitteleuropäischen Werten. 

Der geplante Abstecher in die Berge fällt auch hier den grossen Schneemengen zum Opfer, die noch immer die Gipfel und Zufahrtsstrassen bedecken. Trotz Allrad macht das wenig Sinn. 
Stattdessen machen wir einen Schwenk zum Meer. Der Stand nahe dem Kap Rodonit präsentiert sich in der Vorsaison mit schönem Sand, aber das Wasser ist hier noch zu kalt zum Baden. Ausserdem weht an diesem Tag ein frischer Wind. 

Weiter nach Tirana – die Distanzen sind ja gottseidank nicht besonders gross. Wir spazieren ein bisserl herum, essen Eis, decken uns am Markt u.a. mit leckeren Oliven ein und dieser kurze Eindruck der Hauptstadt muss für uns reichen – wir düsen weiter ins Landesinnere. 

Von Tirana schlängelt sich die Strasse in steilen Serpentinen hinauf zum Krraba-Pass und bietet immer wieder fantastische Ausblicke auf das mittelalbanische Bergland.  

Unser nächstes Ziel ist die Stadt Elbasan, die bekannt ist für ihre leckeren Lammgerichte. Hier kommt so ziemlich alles auf den Teller was das Schaf so hergibt, u.a. in Milch eingelegte Schafsdärme. Wir sind feig und bleiben lieber bei Lammkoteletts.

Montenegro

Erst beim Ausfassen der nicht mehr gerade taufrischen Neopren- und Schwimmwestenmodelle merken wir, dass wir offensichtlich bei einem bosnischen Billigstanbieter gelandet sind. Wir finden, wir sehen in unserer betagten Raftingkluft trotzdem sehr sexy aus!  ;-)


Unser robustes Schlauchboot teilen wir mit 8 jungen Serben. Die gebuchte Halbtagestour entpuppt sich als 2-Stunden-Trip auf dem Wasser. Allerdings ist schon die Fahrt zum Ausgangspunkt recht spektakulär und zeitaufwändig: es geht nach der Grenzüberschreitung nach Montenegro (etwa 2 km von unserem Camp entfernt) auf einer ausgewaschenen Schotterstrasse etwa 15 km flussaufwärts in die wilde Taraschlucht mit ihren steilen, aber begrünten schier endlosen Abhängen. 
Leider gibt es keine spektakulären Bilder vom Rafting selbst – wir wollten unseren Fotoapparat nicht versenken. Die Raftingtour selbst lässt doch einiges an Adrenalin in unseren Adern fliessen – Heidis Herz klopft ganz ordentlich. Ein grosser Spass ist es auf jeden Fall da sich die Tara jetzt, Anfang Mai, von ihrer wildesten Seite zeigt. 

Die Fahrt endet nach der Mündung der trüben Tara in die türkisklare Drina direkt unterhalb des Camps, also wieder zurück in Bosnien. 

Anschliessend überqueren wir mit unserem Luxi die Grenze nach Montenegro ganz hochoffiziell. Von hier windet sich die Strasse höchst dramatisch weit oberhalb der Drina Richtung Süden und überquert an einer Stelle den Fluss auf einer irre hohen Brücke. Uns wird ganz schwummerig, wenn wir da runterschauen! 


Nach dem Kraftwerk weiterhin entlang des Stausees. Den geplanten Abstecher ins Durmitorgebirge müssen wir leider auslassen, da noch zuviel Schnee auf den Pässen und Bergen liegt. So peilen wir die nächste grössere Stadt Nikšič an. Hier rasten wir ein paar Tage an einem idyllischen Stausee, baden, trinken Gin-Tonics und feiern Maxis runden Geburtstag. Das anstrengendste am 4. Mai war, 50 gut verschnürte Packerl zu öffnen.


Eine kleine Wanderung führt uns zu einer herrlichen Stelle über dem Stausee, an dem ein aufgelassener k.u.k. Bahnhof im Dornröschenschlaf liegt. Das wär doch schon mal ein erster Vorschlag für die Bubenrunde ;-))))

Ein Besuch im Internetcafé von Nikšič endet mit einer mittleren Katastrophe: ein Virus bemächtigt sich meines Mailservers, schickt jede Menge Mails mit Viagra-Angeboten aus und bereichert meine Mailbox mit vielen hunderten return-to-sender Mails. Sorry an alle, die dadurch betroffen waren! 

Wo wir doch schon in einer Stadt sind, lassen wir uns doch gleich auch einen neuen Haarschnitt verpassen. All-inclusive-Service mit Waschen, Schneiden, Kopfmassage und allem drum und dran 10 Euro, inkl. Trinkgeld, für 2 Personen! 


So fein herausgeputzt sind wir bereit für das Kloster Ostrog, einem spirituellen Gravitationszentrum für die orthodoxen Christen am Balkan. Wirklich spektakulär in die Felswand konstruiert, beherrscht diese Pilgerstätte die Umgebung. Sieht aus wie eines dieser berühmten griechischen weissen Felsenklöster und ist wohl auch so was ähnliches. 
Mit nüchternem Magen wandern wir rauf und machen einen kurzen Rundgang. Das ist für uns genug der Wallfahrt und wir verlassen über Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, das Land. Jetzt steuern wir auf die albanische Grenze zu.

Anreise


Die erste Nacht verbringen wir auf einem ruhigen Hofer-Parkplatz in Slovenien. Ruhig allerdings nur bis 6 Uhr früh. Wir wussten gar nicht, dass es auch in Slovenien den Brauch des „Tagreveillen“ am 1. Mai gibt. Eine Viertelstunde Polka- und Landlermusik müssen wir über uns ergehen lassen bevor wieder Ruhe ist. Wenigstens haben wir etwas über die örtlichen Gepflogenheiten gelernt … Reisen bildet :)

Die weitere Fahrt quer durch Kroatien auf der Autobahn verläuft ereignislos.  Am späteren Nachmittag machen wir einen Abstecher zu einem Vogelschutzgebiet nahe Slavonski Brod und landen einen Volltreffer: wir finden ein herrliches Plätzchen am See und dieser hat geschätzte 24 Grad Wassertemperatur!
Weil wir gar nicht darauf eingestellt waren dass wir hier übernachten, gibt’s bloss Nudeln mit Basilikum und einer ordentlichen Portion Knoblauch. Es ist ja kaum zu erwarten, dass wir heute noch zur Teilnahme am örtlichen Swingerklub eingeladen werden.  Und wenn – vermutlich würden wir uns diesbezüglich mit dem Knofi eh gut angepasst haben.

In Bosnien-Herzegovina geht’s auf Landstrassen weiter, es ist aber wenig Verkehr. Nur ein kurzes Stück nagelneue Autobahn vor Sarajevo. Wir machen einen Stop in der Stadt: eine schöne Moschee in der gemütlichen Altstadt, die Cafes und Restaurants belebt von schönen und auffallend großgewachsenen Menschen. Im Kontrast dazu: die vielen über die gesamte Stadt verteilten Friedhöfe, welche an die schlimmen Kriegsereignisse in den 90er Jahren erinnern.




Von Sarajevo geht’s über einen hohen Pass, dann ab Foca wird die Strasse sehr eng und abenteuerlich windet sie sich entlang der Tara. Erst abends kommen wir bei einem gemütlichen Camp an, das morgen eine Raftingtour anbietet. Die nach dem Grand Canyon zweittiefste Schlucht der Welt wartet auf unsere Befahrung!

Unser Plätzchen nahe der Tara:

Nichts hält sich so hartnäckig wie Vorurteile! (Sir Peter Ustinov)


Ihr wollt nach Montenegro und Albanien? Was ist denn da schon gross zu sehen?

In der Vorstellung vieler Westeuropäer sind das wilde und unzugängliche Länder, mit nur wenigen befestigten Strassen. Bewohnt wird dieser Landstrich von Dieben und Mördern die hinter jeder Ecke lauern, mit Kalaschnikows bewaffnet und bereit jeden Fremden ohne Vorwarnung auszurauben oder abzuknallen. Jeder dieser Kriminellen fährt natürlich mit einem im Deutschland oder Österreich gestohlenen Mercedes rum.

Soweit die Vorurteile. Wir wollen mal nachschauen ob das wirklich so ist und schon bei der Reisevorbereitung haben wir von einigen verwegenen Reisenden gehört: die Realität ist ganz anders. Wir sind gespannt.
Ausserdem fahren wir keinen Mercedes, was uns schon mal aus der Schusslinie bringen dürfte. (Scherz!)
Wir sind mit unserem reiseerprobten Toyota Hilux unterwegs, samt Bimobil-Aufbau.
Alt, aber gut. So wie wir :)